Gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes
This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: September 2025
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Impaired glucose metabolism and diabetes” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
- Gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes
- Habe ich ein erhöhtes Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes?
- Was sind die Symptome und Anzeichen eines gestörten Glukosestoffwechsels und Diabetes?
- Ich habe ein erhöhtes Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
- Was passiert, wenn ich einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes habe?
- Was kann ich noch tun?
- Wo finde ich weitere Informationen?
- Anmerkung
Gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes
Die Menge an Glukose (Zucker) in unserem Blut wird durch ein Hormon namens Insulin kontrolliert. Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert. Dieses Organ liegt im Oberbauch, direkt hinter dem Magen.
Wenn wir essen, steigt die Glukosemenge im Blut an. Als Reaktion darauf schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Insulin hilft den Muskeln und den Zellen, Glukose aus dem Blutstrom aufzunehmen. Dadurch kehrt der Blutzuckerspiegel auf ein normales Niveau zurück.
Eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse kann dazu führen, dass sie nicht mehr (genug) Insulin produziert. Dies wird als gestörter Glukosestoffwechsel (oder Prädiabetes) bezeichnet. Wenn der Körper mehr Insulin benötigt, als die Bauchspeicheldrüse produzieren kann, wird dies als Diabetes bezeichnet.
Wenn dein Zuckerspiegel im Blut oft zu hoch ist, kann dies die Blutgefäße schädigen. Das wiederum kann zu Problemen mit den Augen, den Nerven und den Nieren führen. Diabetes kann auch das Risiko von Herzkrankheiten und eines Schlaganfalls erhöhen. Mit der richtigen Behandlung und Pflege können Menschen mit Diabetes ein gesundes Leben mit einem geringeren Risiko für diese Komplikationen führen.
Die meisten Survivors (ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter) entwickeln keinen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes. Eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse kann nicht rückgängig gemacht werden, aber es gibt eine Reihe von Maßnahmen, mit denen das Risiko einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes zu entwickeln, verringert werden kann. Dazu zählen zum Beispiel regelmäßiger Sport, eine gesunde Ernährung und ein gesundes Körpergewicht.
Habe ich ein erhöhtes Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes?
Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, kann ein gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes auftreten. Manche Krebstherapien können jedoch das Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes im Laufe des Lebens erhöhen.
Die folgende Krebstherapie kann das Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes erhöhen:
- Eine Bestrahlung der Bauchspeicheldrüse oder eines Bereichs, der die Bauchspeicheldrüse einschließt.
Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapie erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere bitte dein behandelndes Krankenhaus.
Wenn bei dir ein gestörter Glukosestoffwechsel oder Diabetes auftritt, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Ein gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes können auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Autoimmunerkrankung. Das Risiko einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes zu entwickeln steigt, wenn du älter wirst oder übergewichtig bist. Weitere Informationen zu Übergewicht und Adipositas finden sich im Kapitel „Übergewicht und Adipositas”. Dein Risiko ist auch höher, wenn eine Störung des Glukosestoffwechsels und Diabetes in deiner Familie häufig vorkommt oder wenn du afrikanisch-karibischer, schwarzafrikanischer oder südasiatischer Abstammung bist.
Was sind die Symptome und Anzeichen eines gestörten Glukosestoffwechsels und Diabetes?
Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes hindeuten können. Auch wenn es sein kann, dass du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.
Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes hast:
- Häufiges/viel Wasserlassen
- vermehrter Durst
- vermehrte Müdigkeit
- ungewollte Gewichtsabnahme
- Juckreiz oder Entzündungen im Genitalbereich
- Schwindel, verschwommenes Sehen
- vermehrter Hunger
- wiederholte Infekte
Wenn bei dir ein gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes auftritt, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Ein gestörter Glukosestoffwechsel und Diabetes können auch andere Ursachen haben. Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen über einen längeren Zeitraum beobachtest, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Es ist auch möglich, einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes zu haben ohne Symptome oder Anzeichen zu haben. Dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in kann deinen Blutzuckerspiegel durch eine Blutuntersuchung messen.
Ich habe ein erhöhtes Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
Falls du ein erhöhtes Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes hast, wird empfohlen, eine Blutuntersuchung mindestens alle 5 Jahre durchführen zu lassen. Dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in kann Folgendes durchführen:
- Eine Blutuntersuchung zur Messung des Blutzuckerspiegels. Diese Blutuntersuchung wird morgens vor dem Frühstück durchgeführt (nüchtern).
- Ein HbA1c-Bluttest, der deinen durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten zwei bis drei Monate misst.
Was passiert, wenn ich einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes habe?
Falls du einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes hast, wird dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in dich zu einem/einer Diabetolog:in (Fachperson spezialisiert auf Störungen des Glukosestoffwechsels) überweisen.
Diese Fachperson kann weitere Untersuchungen machen und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen. Möglicherweise werden auch Medikamente verschrieben, um den Blutzuckerspiegel zu senken.
Es kann sein, dass man dir rät, deine Ernährung umzustellen und mehr Sport zu machen. Du kannst zu einem/einer Ernährungsberater:in (Fachperson zur Beratung über Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil) überwiesen werden, der/die dir dabei helfen kann.
Möglicherweise wird dir ebenfalls empfohlen, dein Gewicht, deinen Blutdruck und deine Blutfette einschließlich Cholesterin (eine fetthaltige Substanz im Blut) regelmäßig messen zu lassen. Wenn du einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes hast, ist es wichtig, weitere Faktoren zu berücksichtigen, die dein Risiko für (zukünftige) Probleme mit dem Herzen oder den Blutgefäßen beeinflussen können. Weitere Informationen zu Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck oder Dyslipidämie finden sich in den Kapiteln „Übergewicht und Adipositas”, „Bluthochdruck” und „Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung)”.
Was kann ich noch tun?
Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit” zu finden.
Um das Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes zu senken, ist es sehr wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du einen gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Wo finde ich weitere Informationen?
Weitere Informationen zu einem gestörten Glukosestoffwechsel und Diabetes kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.
Weitere Informationen auf Deutsch:
- Deutsche Diabeteshilfe: Hier findest du Informationen über Diabetes
Weitere Informationen auf Englisch:
- American National Institute of Health (NIH): Hier findest du Informationen über Diabetes
- Diabetes UK: Hier findest du Informationen über Diabetes
Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:
Anmerkung
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Impaired glucose metabolism and diabetes” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.
Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.
Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.
Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.
Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.
[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext.

