Krebsbedingte Fatigue

Krebsbedingte Fatigue

Jede:r fühlt sich von Zeit zu Zeit müde. Das ist völlig normal, besonders wenn die Müdigkeit eine erkennbare Ursache hat, wie zum Beispiel viel zu tun in der Schule oder bei der Arbeit oder nach intensiver körperlicher Bewegung. Im Vergleich zur normalen Müdigkeit ist Erschöpfung (Fatigue) jedoch viel ausgeprägter und wird durch Ruhe nicht gelindert.

Eine Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter und Krebstherapien können Fatigue verursachen. Dies wird als krebsbedingte Fatigue bezeichnet. Normalerweise verbessert sich die krebsbedingte Fatigue nach Abschluss der Krebstherapie, aber manchmal hält sie viele Monate oder sogar Jahre an. Wenn man sich ständig erschöpft fühlt und dies durch Ruhe nicht besser wird, kann dies einen großen Einfluss auf das tägliche Leben und das emotionale Wohlbefinden haben.

Habe ich ein erhöhtes Risiko für krebsbedingte Fatigue?

Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, kann Fatigue auftreten. Der Unterschied bei krebsbedingter Fatigue ist, dass sie nur bei Menschen auftritt, die eine Krebsdiagnose erhalten haben.

Die folgenden Punkte können das Risiko oder die Schwere für eine krebsbedingte Fatigue erhöhen:

  • Psychischer Stress
  • Spätfolgen von einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter oder dessen Behandlung
  • Strahlentherapie
  • Andere gesundheitliche Probleme wie Schmerzen
  • Ein Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rückfall oder Rezidiv) oder eine neue Krebsdiagnose
  • Älter werden

Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du eine Strahlentherapie erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.

Wenn bei dir Fatigue auftritt, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Fatigue kann auch andere Ursachen haben. Es ist oft schwierig, „normale“ Müdigkeit von krebsbedingter Fatigue zu unterscheiden.

Was sind die Symptome und Anzeichen von krebsbedingter Fatigue?

Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf eine krebsbedingte Fatigue hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.

Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du Fatigue hast:

  • Müdigkeit oder Erschöpfung ohne erkennbare Ursache
  • Gefühl, keine Energie oder Kraft zu haben
  • Schwierigkeiten, einfache Dinge zu tun, wie zum Beispiel die Haare zu kämmen oder sich anzuziehen
  • Fehlende Motivation
  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und sich an Dinge zu erinnern
  • Schlafprobleme (Insomnie)
  • Keine Lust auf Sex
  • Sich ängstlich, depressiv oder launisch fühlen
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
  • Appetitverlust oder übermäßiges Essen

Normalerweise sind diese Symptome oder Anzeichen vorübergehend und verschwinden nach ausreichend Ruhe. Falls diese Symptome oder Anzeichen jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Ich habe ein erhöhtes Risiko für krebsbedingte Fatigue. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?

Wann immer du deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in aufsuchst, kann diese:r dich fragen, ob du Symptome oder Anzeichen von krebsbedingter Fatigue hast.

Wenn du glaubst, dass du an krebsbedingter Fatigue leidest, wird empfohlen, mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu sprechen. Sie können nach deinem Lebensstil, deinem Gefühl der Müdigkeit und Erschöpfung fragen. Sie können auch nach weiteren medizinischen Ursachen suchen, die die Fatigue verursachen können, wie zum Beispiel eine Blutarmut (Anämie), Schlafstörungen oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Was passiert, wenn ich krebsbedingte Fatigue habe?

Falls bei dir krebsbedingte Fatigue auftritt, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu Fachpersonen überweisen. Abhängig von den Symptomen oder Anzeichen, die bei dir vorliegen, wirst du überwiesen an:

  • Spezialist:innen für Fatigue (falls verfügbar)
  • Allgemeine Fachpersonen wie
    • Psychotherapeut:in (Fachperson spezialisiert auf die mentale Gesundheit und die Funktion des Gehirns)
    • Physiotherapeut:in (Fachperson spezialisiert auf Bewegung)
    • Berater:in (Fachperson spezialisiert auf Beratung und Unterstützung)

Diese Fachpersonen können verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen, zum Beispiel Bildungsprogramme über krebsbedingte Fatigue, körperliche Bewegung, abenteuerbasierte Trainings, kognitive Verhaltenstherapie, Entspannung oder Achtsamkeit.

Was kann ich noch tun?

Das Erleben von krebsbedingter Fatigue kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, finden sind im Kapitel „Mentale Gesundheit”.

Auch wenn es nicht notwendigerweise einen direkten Einfluss auf das Risiko für krebsbedingte Fatigue hat, ist es dennoch wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.

Es ist wichtig, dass du weißt, dass krebsbedingte Fatigue auftreten kann und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zu krebsbedingter Fatigue kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.

Weitere Informationen auf Deutsch:

Weitere Informationen auf Englisch:

Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:

Anmerkung

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Cancer-related fatigue” [1], welche wiederum auf der entsprechenden IGHG* Leitlinie [2] basiert.

Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.

Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.

Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.

Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.

*International Guideline Harmonization Group for Late Effects of Childhood Cancer

Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.

[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext

[2] Christen, S. et al. (2020) Recommendations for the surveillance of cancer related fatigue in childhood, adolescent, and young adult cancer survivors: a report from the International late effects of Childhood Cancer Guideline Harmonization Group. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s11764-020-00904-9