Leberprobleme
This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: Oktober 2025
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Late liver injury” [1], welche wiederum auf der entsprechenden IGHG* Leitlinie zu „Hepatic toxicity” [2] basiert.
- Leberprobleme
- Habe ich ein erhöhtes Risiko für Leberprobleme?
- Was sind die Symptome und Anzeichen von Leberproblemen?
- Ich habe ein erhöhtes Risiko für Leberprobleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
- Was passiert, wenn ich Leberprobleme habe?
- Was kann ich noch tun?
- Wo finde ich weitere Informationen?
- Anmerkung
Leberprobleme
Die Leber ist ein Organ im rechten Oberbauch, das hinter den Rippen liegt. Die Leber hat vielfältige Funktionen. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, schädliche Substanzen zu filtern und diese aus dem Blut zu entfernen. Die Leber produziert auch Galle und Eiweiße, welche dabei helfen, die Nahrung zu verdauen. Die Galle, die von der Leber produziert wird, wird vorübergehend in der Gallenblase gespeichert, und von dort in den Darm abgegeben, um bei der Verdauung zu unterstützen.
Manchmal kann es zu Störungen in der Funktion der Leber kommen. Zu Leberproblemen gehören:
- Leberfibrose oder Zirrhose, die Vernarbung des Lebergewebes.
- Leberversagen. Die Leber ist in ihrer Funktion eingeschränkt oder hört sogar auf zu arbeiten.
- Schädigung des Gallen-Gang-Systems, was die Ausschüttung von Galle über die Gallenblase stören kann.
- Eisenüberladung, wenn die Leber es nicht schafft genug Eisen aus dem Blut zu entfernen. Dies kann dazu führen, dass zu viel Eisen im Körper abgelagert wird.
- Fokale noduläre Hyperplasie (FNH), bei der sich ein gutartiger Tumor in der Leber bildet.
- Noduläre regenerative Hyperplasie (NRH), bei der mehrere kleine Knoten (Tumoren) in der Leber wachsen. Dies kann zu Problemen mit dem Blutfluss in der Leber führen.
Die meisten Survivors (ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter) entwickeln keine Leberprobleme. Es gibt ein paar Dinge, die jede:r tun kann, um das eigene Risiko für Leberprobleme zu verringern, insbesondere dadurch wenig oder keinen Alkohol zu trinken.
Die Leber
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Habe ich ein erhöhtes Risiko für Leberprobleme?
Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, können Leberprobleme auftreten. Manche Erkrankungen und Krebstherapien können das Risiko für Leberprobleme im Laufe des Lebens erhöhen. Die Probleme, die auftreten können, hängen von der Art der Erkrankung und der Krebstherapie ab.
Die folgenden Erkrankungen können das Risiko für Leberprobleme erhöhen:
- Eine chronische (Langzeit-)Virusinfektion der Leber, auch virale Hepatitis genannt.
- Eine chronische Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung („Graft-versus-Host-Disease“, GvHD), welche nach einer Stammzelltransplantation auftreten kann.
- Ein sinusoidales Obstruktionssyndrom (veno-occlusive disease), bei dem kleine Blutgefäße in der Leber verschlossen sind.
Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für Leberprobleme erhöhen:
- Eine Bestrahlung der Leber oder eines Bereichs, der die Leber einschließt.
- Eine
- Eine Chemotherapie mit verschiedenen Chemotherapeutika (Methotrexat, Mercaptopurin, Thioguanin, Dactinomycin oder Busulfan). Jede Dosis dieser Chemotherapeutika kann Leberprobleme verursachen.
- Wiederholte Bluttransfusionen mit Erythrozytenkonzentraten (rote Blutkörperchen) führen zu einem erhöhten Risiko für eine Eisenüberladung.
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation) an der Leber.
Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.
Wenn du Leberprobleme hast, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Leberprobleme können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel das Trinken von (zu viel) Alkohol, bestimmte Infektionen (Entzündungen), eine Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) und Übergewicht. Weitere Informationen zu Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) und Übergewicht finden sich in den Kapiteln „Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung)”, „Übergewicht und Adipositas” und „Gesundheitsförderung“.
Was sind die Symptome und Anzeichen von Leberproblemen?
Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf Leberprobleme hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.
Diese Symptome und Anzeichen können auf Leberprobleme hindeuten:
- Eine Gelbfärbung der Augen oder der Haut. Dies nennt man auch Gelbsucht (Ikterus).
- Dunkel orangener oder bierbrauner Urin oder heller Stuhlgang.
- Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen.
- Juckreiz
- Das ständige Gefühl (starker) Müdigkeit.
- Leicht Blutergüsse zu bekommen.
Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Ich habe ein erhöhtes Risiko für Leberprobleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
Falls du ein erhöhtes Risiko für Leberprobleme hast, solltest du:
- Eine körperliche Untersuchung einmalig zu Beginn der Langzeitnachsorge (Long-term follow-up, LTFU) durchführen lassen.
- Einen Bluttest zur Messung der Leber-Eiweiße (Enzyme) im Blut einmalig zu Beginn der Langzeitnachsorge (Long-term follow-up, LTFU) durchführen lassen.
Falls du 10 oder mehr Bluttransfusionen mit Erythrozytenkonzentraten erhalten hast, wird empfohlen, eine Blutuntersuchung zur Messung von Ferritin (einem weiteren Eiweiß, das von der Leber hergestellt wird) einmalig zu Beginn der Langzeitnachsorge (Long-term follow-up, LTFU) durchführen zu lassen.
Falls die Ergebnisse deiner Blutuntersuchung auffällig sind, kann es notwendig sein, die Ergebnisse durch eine Wiederholung der Blutuntersuchung zu bestätigen. Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig, wie beispielsweise ein Ultraschall der Leber.
Was passiert, wenn ich Leberprobleme habe?
Falls du Leberprobleme hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu Fachpersonen überweisen. Abhängig von den Symptomen oder Anzeichen, die bei dir vorliegen, wirst du überwiesen an:
- Hepatolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf die Leber)
- Gastroenterolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf das Verdauungssystem)
Diese Fachpersonen können weitere Untersuchungen machen und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen.
Zusätzlich wird bei Leberproblemen empfohlen, keinen Alkohol zu trinken und keine nicht-verschreibungspflichtige Medikamente einzunehmen, da diese die Leber in ihrer Funktion zusätzlich schädigen können, zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen. Verschreibungspflichtige Medikamente können ebenfalls schädlich für die Leber sein. Du solltest jedoch immer erst mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in sprechen, bevor du aufhörst die Medikamente einzunehmen, die dir verschrieben wurden.
Was kann ich noch tun?
Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für Leberprobleme hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, finden sich im Kapitel „Mentale Gesundheit”.
Um das Risiko für Leberprobleme zu verringern, ist es sehr wichtig, einen gesunden Lebensstil und ein gesundes Gewicht zu haben und zu behalten. Besonders wichtig ist es, keinen Alkohol zu trinken. Es ist förderlich, auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.
Eine Impfung gegen Hepatitis A und B kann das Risiko für Leberprobleme verringern. Eine Impfung gegen Hepatitis B kann dich zusätzlich gegen eine weitere Infektionskrankheit, Hepatitis D, schützen. Derzeit gibt es keine Impfungen gegen Hepatitis C und E. Wenn du eine Impfung wünschst, besprich dies mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du Leberprobleme bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Wo finde ich weitere Informationen?
Weitere Informationen zu Leberproblemen kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.
Weitere Informationen auf Deutsch:
- LESS (late effects surveillance system): Hier findest du Informationen zu Lebergesundheit nach einer Krebsbehandlung in der Kindheit
Weitere Informationen auf Englisch:
- British Liver Trust: Hier findest du Informationen zu Leberproblemen
- World Health organisation (WHO): Hier findest du Informationen zu den unterschiedlichen Hepatitis-Viren
Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:
Anmerkung
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Late liver injury” [1], welche wiederum auf der entsprechenden IGHG* Leitlinie zu „Hepatic toxicity” [2] basiert.
Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.
Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.
Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.
Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.
*International Guideline Harmonization Group for Late Effects of Childhood Cancer
Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.
[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext
[2] Bardi, E. et al. (2021) Late hepatic toxicity surveillance for survivors of childhood, adolescent and young adult cancer: Recommendations from the international late effects of childhood cancer guideline harmonization group. Verfügbar unter: https://www.cancertreatmentreviews.com/article/S0305-7372(21)00144-4/fulltext

