Mentale Gesundheit
This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: Oktober 2025
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der IGHG* Leitlinie „Mental health problems” [1].
- Mentale Gesundheit
- Warum ist es wichtig für mich auf meine mentale Gesundheit zu achten?
- Was sind die Symptome und Anzeichen von mentalen Gesundheitsproblemen?
- Ich habe ein erhöhtes Risiko für mentale Gesundheitsprobleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
- Was passiert, wenn ich mentale Gesundheitsprobleme habe?
- Was kann ich noch tun?
- Wo finde ich weitere Informationen?
- Anmerkung
Mentale Gesundheit
Ein gesundes Leben zu führen bedeutet, sich um sein körperliches und geistiges Wohlbefinden zu kümmern. Insgesamt kann ein gesunder Lebensstil dazu führen, dass du dich energiegeladener fühlst, besser mit Stress umgehen kannst und eine positivere Einstellung zum Leben hast. Wiederholt gesunde Entscheidungen zu treffen, kann auch das Risiko von mentalen Gesundheitsproblemen wie Angstzuständen oder Depressionen verringern.
Sich um seinen Körper zu kümmern, kann dazu führen, dass man sich auch geistig besser fühlt. Und wenn man glücklicher ist, fällt es oft leichter, gesunde Entscheidungen für seinen Körper zu treffen. Diese Broschüre konzentriert sich auf die Dinge, die du tun kannst, um besser auf deine mentale Gesundheit zu achten. Weitere Informationen zur Verbesserung körperlicher Gesundheit finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung“
Das Biopsychosoziale Model
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Warum ist es wichtig für mich auf meine mentale Gesundheit zu achten?
Eine gute mentale Gesundheit ist für jede:n vorteilhaft. Dies gilt auch für Menschen, die keine Krebstherapie hatten.
Eine Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter kann Auswirkungen auf die mentale Gesundheit haben. Es ist nicht ungewöhnlich, sich auch Jahre nach Ende der Krebstherapie aufgeregt, traurig, wütend oder besorgt zu fühlen. Wenn diese Gefühle dein tägliches Leben beeinträchtigen und ein Problem für dich werden, solltest du Rat suchen. Der Umgang mit einer Vielzahl von Emotionen während und nach einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter kann zu mentalen Gesundheitsproblemen führen.
Mentale Gesundheitsprobleme beinhalten unter anderem:
- Angstzustände
- Verhaltensprobleme, wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch, unkontrollierte Wut oder Sorglosigkeit
- Depression, Stimmungsschwankungen
- Posttraumatischer Stress, zum Beispiel das Wiedererleben traumatischer Ereignisse
- Suizidgedanken
Was sind die Symptome und Anzeichen von mentalen Gesundheitsproblemen?
Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf mentale Gesundheitsprobleme hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.
Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du mentale Gesundheitsprobleme hast:
- Sich oft ängstlich oder besorgt fühlen
- Sich ständig deprimiert oder unglücklich fühlen
- Anhaltende Stimmungsschwankungen
- Schlafstörungen
- Viel Gewicht verlieren oder zunehmen
- Appetitverlust
- Ständig allein sein wollen
- Alkohol- oder Drogenmissbrauch
- Sich ständig schuldig oder wertlos fühlen
- Suizidgedanken
Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, konzentriere dich bitte darauf, sicher zu bleiben, und sprich mit jemandem, dem du vertraust. Kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin, Psychotherapeut:in oder Nachsorgespezialist:in. Wenn du mentale Gesundheitsprobleme hast, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Mentale Gesundheitsprobleme können auch andere Ursachen haben. Wenn du gerade jetzt Suizidgedanken hast, konzentriere dich darauf, sicher zu bleiben und sprich mit jemandem. Möglicherweise gibt es nationale Hilfe-Hotlines, die du anrufen kannst. Eine Liste von Suizid-Hotlines weltweit findest du unter: https://blog.opencounseling.com/suicide-hotlines/.
Ich habe ein erhöhtes Risiko für mentale Gesundheitsprobleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
Falls du ein erhöhtes Risiko für mentale Gesundheitsprobleme hast, wird empfohlen, dass du deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in regelmäßig siehst. Wann immer du diese Fachpersonen besuchst, wirst du nach deiner mentalen Gesundheit gefragt und ob du Symptome und Anzeichen von mentalen Gesundheitsproblemen bemerkt hast.
Was passiert, wenn ich mentale Gesundheitsprobleme habe?
Falls du mentale Gesundheitsprobleme hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu Fachpersonen überweisen. Abhängig von den Symptomen oder Anzeichen, die bei dir vorliegen, wirst du überwiesen an:
- Psychotherapeut:in (Fachperson spezialisiert auf mentale Gesundheit)
- Sozialarbeiter:in (Fachperson spezialisiert auf soziale Probleme)
Diese Fachpersonen können weitere Untersuchungen machen und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen. Sie können dir dabei helfen, mit dem umzugehen, was du erlebst.
Was kann ich noch tun?
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du mentale Gesundheitsprobleme bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Es gibt mehrere Dinge, die du tun kannst, um deine mentale Gesundheit zu verbessern. Zum Beispiel:
- Bewegung, wie zum Beispiel Radfahren, Gewichtheben oder ein aktiver Lebensstil (zum Beispiel Gartenarbeit, Spazierengehen und Hausarbeit). Bewegung kann dich von negativen Gedanken ablenken und deine Energie steigern. Darüber hinaus reduziert Bewegung Stress und fördert die Produktion von ‘Glückshormonen’ in deinem Gehirn.
- Ernährung: Halte ein gesundes Körpergewicht. Du solltest gesunde Lebensmittel aus jeder der fünf Lebensmittelgruppen (Obst, Gemüse, Proteine, Milchprodukte und Getreide) essen. Darüber hinaus solltest du wenig Zucker und Salz zu dir nehmen.
- 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht. Das Gehirn benötigt ausreichend Schlaf, um emotionale Informationen zu verarbeiten. Wenn du zu wenig schläfst, kann sich dies negativ auf deine Stimmung auswirken.
- Mit anderen in Kontakt sein. Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, schützt vor Stress und steigert das Glück. Es schafft auch ein Gefühl von Zugehörigkeit und steigert dein Selbstvertrauen. Es kann auch hilfreich sein, sich mit anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen über Patient:innengruppen oder Selbsthilfegruppen zu verbinden. Die Teilnahme an solchen Gruppen kann dazu beitragen, dass du dich verstanden fühlst und Teil einer Gemeinschaft von ähnlichen Menschen bist.
- Zeit für dich selbst nehmen. Besonders wenn du ein sehr geschäftiges Arbeits- und Sozialleben hast, ist es wichtig, auch Zeit zum Entspannen und Abschalten zu nehmen. Du kannst diese Zeit nutzen, um ein Bad zu nehmen, etwas zu lesen oder andere Dinge zu tun, die dir Freude bereiten.
- An Familienmitglieder oder enge Freunde wenden, wenn du negative Emotionen erlebst. Das Sprechen über deine Gefühle mit Menschen, denen du vertraust, kann dir helfen, diese Gefühle zu verarbeiten und emotionale Belastungen zu reduzieren.
- Dankbarkeit üben. Manchmal, wenn wir ängstlich, traurig oder gestresst sind, vergessen wir die positiven Dinge im Leben. Sich auf das Positive zu konzentrieren, kann dich glücklicher machen. Du kannst dies tun, indem du über die Dinge nachdenkst, für die du dankbar bist oder sie täglich in ein Tagebuch schreibst. Dies kann alles sein, zum Beispiel ein guter Freund oder das Genießen eines guten Buches.
- Achtsamkeit ausüben. Achtsamkeit bedeutet, voll und ganz im Moment anwesend zu sein und die eigenen Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen zu akzeptieren. Achtsamkeit hat nachweislich positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit. Einige Übungen zur Achtsamkeit sind hier zu finden: https://www.calm.com oder https://www.headspace.com.
- Es gibt viele Übungen, die dem Geist und Körper helfen können zu entspannen. Entspannungsübungen verlangsamen die Atmung, senken den Blutdruck und können helfen, Stress abzubauen. Einige Entspannungsübungen sind hier zu finden: https://www.calm.com oder https://www.headspace.com.
- Professionelle Hilfe suchen. Die hier genannten Hinweise können oft hilfreich sein, die mentale Gesundheit zu verbessern und zu erhalten. Manchmal reicht dies jedoch nicht. In diesem Fall ist es ratsam, sich professionelle Hilfe zu holen. Damit könnte es hilfreicher und einfacher sein, mentale Gesundheitsprobleme anzugehen, indem man professionelle Hilfe, wie zum Beispiel von Therapeut:innen, in Anspruch nimmt. Wenn du denkst, dass du professionelle Hilfe benötigst, kannst du dies entweder mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in besprechen.
Wo finde ich weitere Informationen?
Weitere Informationen zu mentaler Gesundheit kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.
Weitere Informationen auf Deutsch:
- LESS (late effects surveillance system): Hier findest du Informationen zu emotionalen Problemen
- Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz): Hier findest du Informationen zu seelischer Belastung
- Das Krebsportal: Hier findest du Informationen zur Verarbeitung einer Krebserkrankung
- Hier findest du Informationen zu deutschsprachigen Survivor-Gruppen
- Youth Cancer Survivors – Europäisches Netzwerk der Survivors einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter: Hier findest du Informationen zur Online-Gemeinschaft für Krebshilfe mit deutschsprachiger Gruppe
Weitere Informationen auf Englisch:
- Samaritans: Hier findest du Informationen über mentale Unterstützung in einer Krise
- American Cancer Society: Hier findest du Informationen und Tipps zu mentaler Gesundheit nach einer Krebstherapie
- NHS: Hier findest du Informationen zu mentalen Gesundheitsproblemen und Tipps zur Selbsthilfe
Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:
Anmerkung
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der IGHG* Leitlinie „Mental health problems” [1].
Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.
Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.
Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.
Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.
Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.
*International Guideline Harmonization Group for Late Effects of Childhood Cancer
[1] Gilleland Marchak, J. et al. (2022) Recommendations for the surveillance of Mental health problems in childhood, adolescent, and young adult cancer survivors: a report from the International late effects of Childhood Cancer Guideline Harmonization Group. Verfügbar unter: https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(21)00750-6/fulltext

