Neurokognitive Probleme
This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: September 2025
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Neurocognitive problems” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
- Neurokognitive Probleme
- Habe ich ein erhöhtes Risiko für neurokognitive Probleme?
- Was sind die Symptome und Anzeichen von neurokognitiven Problemen?
- Ich habe ein erhöhtes Risiko für neurokognitive Probleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
- Was passiert, wenn ich neurokognitive Probleme habe?
- Was kann ich noch tun?
- Wo finde ich weitere Informationen?
- Anmerkung
Neurokognitive Probleme
Das Gehirn steuert viele wichtige Funktionen, zum Beispiel Bewegung, Sprache, Denken und Fühlen. Es kann auch Prozesse im Körper kontrollieren. Wenn das Gehirn geschädigt wird, können neurokognitive Probleme auftreten, wie zum Beispiel:
- Gedächtnisprobleme
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Schwierigkeiten beim Lernen oder Verstehen von Informationen
Diese Probleme können die Leistungen in der Schule oder bei der Arbeit sowie das soziale Leben beeinträchtigen.
Neurokognitive Probleme, die durch eine Krebserkrankung oder durch Krebstherapien verursacht werden, gehören zu den erworbenen Hirnschädigungen.
Habe ich ein erhöhtes Risiko für neurokognitive Probleme?
Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, können neurokognitive Probleme auftreten. Manche Erkrankungen und Krebstherapien können jedoch das Risiko für neurokognitive Probleme im Laufe des Lebens erhöhen. Die Probleme, die auftreten können, hängen von der Art der Erkrankung und der Krebstherapie ab.
Die folgenden Erkrankungen können das Risiko für neurokognitive Probleme erhöhen:
- Hirntumore (Tumore des zentralen Nervensystems (ZNS), mit Ausnahme von Tumoren am Rückenmark)
Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für neurokognitive Probleme erhöhen:
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation) am Gehirn.
- Eine Bestrahlung des Gehirns oder eines Bereichs, der das Gehirn einschließt.
- Eine Chemotherapie, die direkt in das Nervenwasser gegeben wird, welches das Gehirn und das Rückenmark umgibt (intrathekale Chemotherapie).
- Eine Chemotherapie mit Cytarabin oder Methotrexat in hoher Dosis.
Wenn du in einem jüngeren Alter behandelt wurdest, hast du möglicherweise ein höheres Risiko für neurokognitive Probleme.
Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du eine dieser Erkrankungen oder Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.
Wenn du neurokognitive Probleme hast, dann liegt das nicht immer an der Erkrankung oder Krebstherapie. Neurokognitive Probleme können auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Kopfverletzung.
Was sind die Symptome und Anzeichen von neurokognitiven Problemen?
Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf neurokognitive Probleme hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.
Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du neurokognitive Probleme hast:
- Schwierigkeiten in der Schule oder im Beruf
- Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, leichte Ablenkbarkeit
- Schwierigkeiten bei der Planung und Ausführung von Aufgaben
- Schwierigkeiten mit der Sprache
- Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, Lernen und Verstehen von Informationen
- Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Informationen
- Änderungen des Verhaltens, die sich auf die täglichen Aktivitäten auswirken
- Schwierigkeiten bei der visuell-motorischen Integration, zum Beispiel bei der Koordination zwischen Augen und Händen
Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Ich habe ein erhöhtes Risiko für neurokognitive Probleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
Falls du ein erhöhtes Risiko für neurokognitive Probleme hast, solltest du regelmäßig deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in aufsuchen. Wie oft du dich untersuchen lassen solltest, hängt von deinem Alter ab:
- Kinder (0-18 Jahre): Alle 2 Jahre
- Erwachsene (19 Jahre oder älter): Alle 5 Jahre
Dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in kann dich zum Beispiel nach deinen schulischen oder beruflichen Leistungen fragen und ob es in letzter Zeit einen Fortschritt oder eine Verschlechterung deiner Leistungen gegeben hat.
Was passiert, wenn ich neurokognitive Probleme habe?
Falls du neurokognitive Probleme hast, kann dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in an eine:n (Neuro-)Psychotherapeut:in (Fachperson spezialisiert auf die mentale Gesundheit und die Funktion des Gehirns) überweisen.
Diese Fachperson kann weitere Tests mit dir durchführen, um herauszufinden, wo deine Schwierigkeiten liegen und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen.
Was kann ich noch tun?
Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von neurokognitiven Problemen hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit“ zu finden.
Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf das Risiko für neurokognitive Probleme hat, ist es dennoch wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung“.
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du neurokognitive Probleme bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Wo finde ich weitere Informationen?
Weitere Informationen zu neurokognitiven Problemen kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.
Weitere Informationen auf Deutsch:
- LESS (late effects surveillance system): Hier findest du Informationen zu neurokognitiven Problemen nach einer Krebserkrankung
Weitere Informationen auf Englisch:
- National Cancer Institute (US): Hier findest du Informationen über Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme während und nach einer Krebserkrankung
- The Brain Tumour charity: Hier findest du Informationen zu Kenntnis- und Lernproblemen nach einem Hirntumor
Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:
Anmerkung
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Neurocognitive problems” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.
Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.
Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.
Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.
Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.
[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext.
