Niedrige Knochenmineraldichte

Alle Knochen in unserem Körper bilden zusammen unser Skelett. Wir brauchen unsere Knochen, um uns aufrecht zu halten, um uns zu bewegen und um unsere Organe zu schützen. Jeder Knochen hat eine harte, verkalkte Knochenschicht an der Außenseite. Unter dieser harten Schicht befindet sich ein weicherer, schwammartiger Knochen.

Im Inneren des Knochens befinden sich Knochenzellen (Osteoblasten), die für die Gesunderhaltung des Knochens verantwortlich sind. Zu diesem Zweck werden ständig alte Knochenschichten abgebaut und die Osteoblasten bilden an diesen Stellen neuen Knochen. Für diesen Prozess benötigen die Knochenzellen Sauerstoff und Nährstoffe aus dem Blutkreislauf.

Manchmal können Probleme mit den Knochen auftreten, wenn die Knochenzellen zu wenig Mineralstoffe bekommen. Dies wird als niedrige Knochenmineraldichte bezeichnet und führt dazu, dass die Knochen schwach werden und leichter brechen. Dies kann auch zu Osteoporose führen. Dabei bilden die Knochenzellen zu wenig neuen, gesunden Knochen, um den alten Knochen zu ersetzen.

Eine niedrige Knochenmineraldichte ist sehr selten, vor allem bei jungen Menschen. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die jede:r ergreifen kann, um das Risiko von niedriger Knochenmineraldichte zu senken, zum Beispiel ausreichende Bewegung und die Einnahme von Kalzium und Vitamin D. Oft werden Kalzium und Vitamin D in ausreichender Menge mit der Nahrung aufgenommen, aber in einigen Fällen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln hilfreich sein.

Der Knochen
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Habe ich ein erhöhtes Risiko für eine niedrige Knochenmineraldichte?

Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, kann eine niedrige Knochenmineraldichte auftreten. Manche Erkrankungen und Krebstherapien können jedoch das Risiko für eine niedrige Knochenmineraldichte im Laufe des Lebens erhöhen. Die Probleme, die auftreten können, hängen von der Art der Krebstherapie ab.

Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für eine niedrige Knochenmineraldichte erhöhen:

  • Eine Bestrahlung des Gehirns oder des Rückenmarks oder eines Bereichs, der das Gehirn oder das Rückenmark einschließt.
  • Eine Bestrahlung des gesamten Körpers (Ganzkörperbestrahlung).

Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere bitte dein behandelndes Krankenhaus.

Wenn du eine niedrige Knochenmineraldichte hast, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Eine niedrige Knochenmineraldichte kann auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel einen Mangel an Kalzium oder Vitamin D oder zu wenig Bewegung.

Was sind die Symptome und Anzeichen von einer niedrigen Knochenmineraldichte?

Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf eine niedrige Knochenmineraldichte hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.

Die Symptome und Anzeichen einer geringen Knochenmineraldichte oder Osteoporose (und deren Komplikationen) sind:

  • Knochen brechen leicht
  • Plötzliche, starke Rückenschmerzen oder chronische Rückenschmerzen
  • Schrumpfen (Verlust an Körperhöhe)

Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in. Diese Symptome und Anzeichen können aber auch häufig eine andere Ursache haben.

Ich habe ein erhöhtes Risiko für eine niedrige Knochenmineraldichte. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?

Falls du ein erhöhtes Risiko für eine niedrige Knochenmineraldichte hast, wird Folgendes empfohlen:

  • Besprich deine medizinische Vorgeschichte und ob du Symptome und Anzeichen einer niedrigen Knochenmineraldichte hast, mindestens alle 5 Jahre mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in. Sie können auch andere Risikofaktoren für eine niedrige Knochenmineraldichte mit dir besprechen, wie zum Beispiel eine nicht ausreichende Aufnahme von Vitamin D oder Kalzium.
  • Eine DXA-Untersuchung (Knochendichtemessung) einmal zu Beginn der Langzeitnachsorge (Long-term Follow-Up, LTFU) oder einmal im Alter von 25 Jahren und bei Bedarf auch häufiger.

Was passiert, wenn ich eine niedrige Knochenmineraldichte habe?

Falls du eine niedrige Knochenmineraldichte hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu Fachpersonen überweisen. Abhängig von den Symptomen oder Anzeichen, die bei dir vorliegen, wirst du überwiesen an:

  • Endokrinolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Hormone und den Stoffwechsel)
  • Rheumatolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Autoimmunerkrankungen und Infektionserkrankungen der Muskeln und Gelenke)

Diese Fachpersonen können dir helfen, die Ergebnisse der Untersuchungen zu interpretieren und die verschiedenen Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen. Manchmal kann es notwendig sein, die DXA-Untersuchung nach einigen Jahren zu wiederholen.

Was kann ich noch tun?

Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von einer niedrigen Knochenmineraldichte hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit” zu finden.

Um das Risiko für das Auftreten einer niedrigen Knochenmineraldichte zu senken, ist es sehr wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben. Insbesondere ist es wichtig, sich zu bewegen, um die Knochen zu stärken. Es wird empfohlen, mindestens 150 Minuten pro Woche Sport zu treiben (zum Beispiel Radfahren, Tennis oder Hausarbeit). Für Jugendliche wird empfohlen, täglich mindestens 60 Minuten eine mäßig bis stark anstrengende Aktivität auszuführen (zum Beispiel Wandern, Schwimmen oder Tanzen). Es ist außerdem wichtig, auf die mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.

Die Nährstoffe Kalzium und Vitamin D sind besonders wichtig, um die Knochen stark zu halten. Zu den kalziumreichen Lebensmitteln gehören Milchprodukte, Nüsse, Grünkohl und Brot. Fettreicher Fisch, Margarine und Pilze sind gute Vitamin-D-Lieferanten. Der Körper produziert auch selbst Vitamin D, wenn er dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Beachte jedoch, dass zu viel Sonneneinstrahlung schädlich sein kann. Wenn die Nährstoffe nicht in ausreichender Menge über die Ernährung aufgenommen werden können, kann es notwendig sein, Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium und Vitamin-D einzunehmen. Es wird empfohlen, mindestens 10 Mikrogramm (µg) Vitamin D pro Tag und mindestens 500 Milligramm (mg) Kalzium pro Tag zu sich zu nehmen.

Es ist wichtig auch andere mögliche Risikofaktoren zu kennen, die zu einer niedrigen Knochenmineraldichte führen können:

  • Eine Krebstherapie mit Kortikosteroiden über einen Zeitraum von 4 Wochen oder länger
  • Hypogonadismus, bei dem die Hoden oder Eierstöcke zu wenig Sexualhormone produzieren
  • Wachstumshormonmangel, bei dem die Hypophyse im Gehirn zu wenig Wachstumshormone produziert
  • Niedriger Körper-Masse-Index, auch „Body-Mass-Index“ (BMI) genannt, oder Untergewicht. Weitere Informationen zum BMI und zum Gewicht nach einer Krebstherapie finden sich im Kapitel „Übergewicht und Adipositas“.
  • Männliches Geschlecht
  • Weiße Hautfarbe
  • Mangelnde körperliche Aktivität
  • Rauchen

Derzeit gibt es nicht genügend Nachweise, um Empfehlungen für ein Screening (Vorsorgeuntersuchung) der Knochenmineraldichte bei diesen Risikofaktoren zu geben. Bitte besprich diese Risikofaktoren mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wichtig ist außerdem die Sturzprävention. Dazu gehört es, dafür zu sorgen, dass die Wohnung sicher ist und keine Sturzgefahr besteht, dass das Sehvermögen regelmäßig überprüft und geeignetes Schuhwerk getragen wird.

Es ist wichtig, dass du weißt, dass du eine niedrige Knochenmineraldichte bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zu einer niedrigen Knochenmineraldichte kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.

Weitere Informationen auf Deutsch:

Auf dieser Webseite kannst du auch weitere Informationen zu ähnlichen Themen finden:

Anmerkung

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Reduced bone mineral density” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien, und der IGHG* Leitlinie zu „Bone mineral density” [2] verfasst wurde.

Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.

Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.

Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.

Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.

Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.

[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext.

[2] Van Atteveld, J.E. et al. (2021) Bone mineral density surveillance for childhood, adolescent, and young adult cancer survivors: evidence-based recommendations from the International Late Effects of Childhood Cancer Guideline Harmonization Group. Verfügbar unter: https://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(21)00173-X/fulltext