Osteonekrose (Knocheninfarkt)

This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: Oktober 2025

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Osteonecrosis” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.

Osteonekrose

Alle Knochen in unserem Körper bilden zusammen unser Skelett. Wir brauchen unsere Knochen, um uns aufrecht zu halten, um uns zu bewegen und um unsere Organe zu schützen. Jeder Knochen hat eine harte, verkalkte Knochenschicht an der Außenseite. Unter dieser harten Schicht befindet sich ein weicherer, schwammartiger Knochen.

Im Inneren des Knochens befinden sich Knochenzellen (Osteoblasten), die für die Gesunderhaltung des Knochens verantwortlich sind. Zu diesem Zweck werden ständig alte Knochenschichten abgebaut und die Osteoblasten bilden an diesen Stellen neuen Knochen. Für diesen Prozess benötigen die Knochenzellen Sauerstoff und Nährstoffe aus dem Blutkreislauf.

Manchmal können Probleme mit den Knochen auftreten, wenn die Knochen nicht ausreichend mit Blut versorgt werden und absterben. Das wird Osteonekrose (avaskuläre Nekrose) genannt. Eine Osteonekrose kann in jedem Knochen auftreten. Am häufigsten sind die Enden von langen Knochen betroffen, die ein Gelenk bilden. Das sind insbesondere die Oberschenkel- und Oberarmknochen.

Der Knochen
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Habe ich ein erhöhtes Risiko für eine Osteonekrose?

Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, kann eine Osteonekrose auftreten. Manche Krebstherapien können jedoch das Risiko für eine Osteonekrose im Laufe des Lebens erhöhen. Die Probleme, die auftreten können, hängen von der Art der Krebstherapie ab.

Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für eine Osteonekrose erhöhen:

  • Eine Behandlung mit Kortikosteroiden für 4 Wochen oder länger.
  • Eine Stammzelltransplantation. Das Risiko ist insbesondere erhöht, wenn nach der Stammzelltransplantation eine Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung („Graft-versus-Host-Disease“, GvHD) auftritt.
  • Eine Bestrahlung mit hoher Dosis.

Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere bitte dein behandelndes Krankenhaus.

Wenn bei dir eine Osteonekrose auftritt, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Eine Osteonekrose kann auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Verletzung oder das Trinken von (zu viel) Alkohol.

Was sind die Symptome und Anzeichen von einer Osteonekrose?

Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf eine Osteonekrose hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.

Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du eine Osteonekrose hast:

  • Schmerzen in einem Gelenk, insbesondere bei Bewegung, aber manchmal auch in Ruhe
  • Steife Gelenke
  • Eingeschränkter Bewegungsumfang

Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen bei dir selbst wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in. Diese Symptome und Anzeichen haben häufig eine andere Ursache.

Ich habe ein erhöhtes Risiko für eine Osteonekrose. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?

Falls du ein erhöhtes Risiko für eine Osteonekrose hast, wird empfohlen, dass du deine medizinische Vorgeschichte und mögliche Symptome oder Anzeichen einer Osteonekrose einmal zu Beginn der Langzeitnachsorge (long term follow-up, LTFU) besprichst. Anschließend solltest du mindestens alle 5 Jahre mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in hierüber sprechen.

Was passiert, wenn ich eine Osteonekrose habe?

Falls du eine Osteonekrose hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu einem/einer Orthopäd:in oder Unfallchirurg:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Knochen) überweisen.

Diese Fachpersonen können verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen.

Was kann ich noch tun?

Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Osteonekrose hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, finden sind im Kapitel „Mentale Gesundheit”.

Um das Risiko für das Auftreten einer Osteonekrose zu senken ist es sehr wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben. Insbesondere ist es wichtig, sich zu bewegen, um die Knochen zu stärken. Es wird empfohlen, mindestens 150 Minuten pro Woche Sport zu treiben (zum Beispiel Radfahren, Tennis oder Hausarbeit). Für Jugendliche wird empfohlen, täglich mindestens 60 Minuten eine mäßig bis stark anstrengende Aktivität auszuführen (zum Beispiel Wandern, Schwimmen oder Tanzen). Es ist außerdem wichtig, auf die mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.

Die Nährstoffe Kalzium und Vitamin D sind besonders wichtig, um die Knochen stark zu halten. Zu den kalziumreichen Lebensmitteln gehören Milchprodukte, Nüsse, Grünkohl und Brot. Fettreicher Fisch, Margarine und Pilze sind gute Vitamin-D-Lieferanten. Der Körper produziert auch selbst Vitamin D, wenn er dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Beachte jedoch, dass zu viel Sonneneinstrahlung schädlich sein kann. Wenn die Nährstoffe nicht in ausreichender Menge über die Ernährung aufgenommen werden können, kann es notwendig sein, Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium und Vitamin-D einzunehmen. Es wird empfohlen, mindestens 10 Mikrogramm (µg) Vitamin D pro Tag und mindestens 500 Milligramm (mg) Kalzium pro Tag zu sich zu nehmen.

Wichtig ist außerdem die Sturzprävention. Dazu gehört es, dafür zu sorgen, dass die Wohnung sicher ist und keine Sturzgefahr besteht, dass das Sehvermögen regelmäßig überprüft und geeignetes Schuhwerk getragen wird.

Es ist wichtig, dass du weißt, dass du Osteonekrosen bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zu Osteonekrosen kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.

Weitere Informationen auf Deutsch:

Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:

Anmerkung

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Osteonecrosis” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.

Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.

Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.

Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.

Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.

Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.

[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext