Probleme mit dem Hören

Probleme mit dem Hören

Das Gehör besteht aus drei Teilen – dem äußeren Ohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Zwischen dem äußeren Ohr und dem Mittelohr liegt das Trommelfell. Geräusche sind Schwingungen in der Luft, die über das äußere Ohr das Trommelfell in Schwingung versetzen. Sie gelangen so über das Mittelohr zum Innenohr. Der Hörnerv verbindet das Innenohr mit dem Gehirn. Wenn die Schwingungen den Hörnerven erreichen, sendet dieser ein Signal an das Gehirn. Das Gehirn kann diese Schwingungen in Geräusche übersetzen, die wir dann hören.

Eine Schädigung des Ohres oder von Teilen des Ohres kann Probleme mit dem Hören verursachen. Hierzu zählen unter anderem Taubheit oder ein pfeifendes oder ein klingelndes Geräusch im Ohr (Tinnitus).

Das Risiko für Probleme mit dem Hören kann verringert werden, zum Beispiel durch das Tragen von einem Gehörschutz in sehr lauten Umgebungen.

Das Ohr
Created with BioRender.com
Bewege den Cursor über die Buchstaben/Zahlen in der Abbildung, um weitere Informationen zu erhalten.

Habe ich ein erhöhtes Risiko für Probleme mit dem Hören?

Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, können Probleme mit dem Hören auftreten. Manche Krebstherapien können jedoch das Risiko für Probleme mit dem Hören im Laufe des Lebens erhöhen. Die Probleme, die auftreten können, hängen von der Art der Krebstherapie ab.

Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für Probleme mit dem Hören erhöhen:

  • Eine Chemotherapie mit Cisplatin kann das Innenohr schädigen. Jede Dosis von Cisplatin kann zu einem Verlust des Hörvermögens führen.
  • Eine Chemotherapie mit Carboplatin in hoher Dosis (1500 mg/m2  oder mehr), vor allem wenn sie gemeinsam mit Cisplatin verabreicht wurden, können das Innenohr schädigen.
  • Eine Bestrahlung des Kopfes oder Gehirns mit hoher Dosis (30 Gray oder mehr) kann das Mittelohr oder den Hörnerven schädigen.

Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.

Wenn du Probleme mit dem Hören hast, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Probleme mit dem Hören können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel wenn man lange (extrem) lauten Geräuschen ausgesetzt war oder durch eine Infektion.

Was sind die Symptome und Anzeichen von Problemen mit dem Hören?

Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf Probleme mit dem Hören hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.

Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du Probleme mit dem Hören hast:

  • Du hast Schwierigkeiten, alles klar und deutlich zu Wenn andere Menschen mit dir sprechen, musst du häufig nachfragen, ob sie wiederholen können, was sie gesagt haben.
  • Du findest es schwierig andere zu verstehen, wenn um dich herum viele Geräusche sind, zum Beispiel auf einer Geburtstagsfeier oder in einem vollen Geschäft.
  • Du hast Schwierigkeiten hochfrequente/hohe Geräusche zu hören, wie zum Beispiel das Klingeln vom Telefon oder eine Polizei-Sirene.
  • Du hörst immer oder sehr häufig ein pfeifendes oder klingelndes Geräusch im Ohr (Tinnitus).

Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass dein Kind Probleme mit dem Hören hat:

  • Dein Kind lernt und spricht neue Wörter oder Sätze langsamer als gleichaltrige Kinder.
  • Wenn du ein Geräusch machst, reagiert dein Kind nicht darauf.
  • Dein Kind hat Schwierigkeiten mit anderen Kindern zu interagieren oder in der Schule zu lernen.
  • Wenn jemand spricht, schenkt dein Kind diesem keine Aufmerksamkeit oder versteht nicht, was die Person sagt.
  • Wenn dein Kind fernsieht, macht es den Fernseher häufig lauter.
  • Wenn jemand spricht, fragt dein Kind häufig nach, ob derjenige das Gesagte wiederholen kann.

Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen bei dir oder deinem Kind wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Ich habe ein erhöhtes Risiko für Probleme mit dem Hören. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?

Falls du ein erhöhtes Risiko für Probleme mit dem Hören hast, solltest du regelmäßig einen Hörtest (Audiogramm) nach Ende der Krebstherapie durchführen lassen.

Die empfohlenen Abstände zwischen den Tests hängen vom Alter ab:

  • Junge Kinder (0-5 Jahre): Einmal im Jahr
  • Ältere Kinder (6-12 Jahre): Alle 2 Jahre
  • Jugendliche und Erwachsene (13 Jahre und älter): Alle 5 Jahre

Für Kinder vor dem 6. Geburtstag sind möglicherweise spezielle Tests nötig.

Was passiert, wenn ich Probleme mit dem Hören habe?

Falls du Probleme mit dem Hören hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu Fachpersonen überweisen. Abhängig von den Symptomen oder Anzeichen, die bei dir vorliegen, wirst du überwiesen an:

  • Audiolog:in (Fachperson für das Hören)
  • HNO-Arzt/-Ärztin (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Hals, Nasen und Ohren)

Diese Fachpersonen können weitere Untersuchungen machen. Sie können mit dir die verschiedenen Möglichkeiten zur Behandlung besprechen und welche Unterstützungsangebote es gibt, zum Beispiel Hörgeräte.

Was kann ich noch tun?

Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Problemen mit dem Hören hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit“ zu finden.

Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf das Risiko für Probleme mit dem Hören hat, ist es dennoch wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung“.

Eine Störung des Hörens kann oft nicht rückgängig gemacht werden (nicht reversibel). Umso wichtiger ist es, eine (weitere) Schädigung zu vermeiden, vor allem, indem man laute Geräusche vermeidet oder einen Hörschutz trägt, zum Beispiel auf Konzerten oder Partys.

Falls du oder dein Kind Probleme mit dem Hören hast/hat, kann es hilfreich sein den Kindergarten, die Schule, die Ausbildungsstelle, die Universität oder die Arbeitsstelle zu informieren.

Um frühzeitig Maßnahmen ergreifen zu können, ist es wichtig, dass du weißt, dass du oder dein Kind Probleme mit dem Hören bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Dies ist insbesondere auch für sehr junge Kinder wichtig. Durch frühzeitige Maßnahmen kann ein Kind mit einer Hörstörung trotzdem lernen zu Sprechen und Sprache zu verstehen. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin, deinen Kinderarzt/deine Kinderärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zu Problemen mit dem Hören kann man online finden. Es ist wichtig, zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.

Weitere Informationen auf Deutsch:

Weitere Informationen auf Englisch:

  • Cleveland Clinic: Hier findest du Informationen über Hörprobleme
  • ACS journals: Hier findest du Informationen über Hörprobleme und Krebstherapie

Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:

Anmerkung

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie [1], welche wiederum auf der entsprechenden IGHG* Leitlinie zu „Ototoxicity” basiert [2].

Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.

Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.

Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.

Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.

*International Guideline Harmonization Group for Late Effects of Childhood Cancer

Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.

[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext

[2] Clemens, E. et al. (2019) Recommendations for ototoxicity surveillance for childhood, adolescent, and young adult cancer survivors: a report from the International Late Effects of Childhood Cancer Guideline Harmonization Group in collaboration with the PanCare Consortium. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1470204518308581?via%3Dihub.