Probleme mit den unteren Harnwegen
This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: Oktober 2025
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Lower urinary tract problems” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
- Probleme mit den unteren Harnwegen
- Habe ich ein erhöhtes Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen?
- Was sind die Symptome und Anzeichen bei Problemen mit den unteren Harnwegen?
- Ich habe ein erhöhtes Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
- Was passiert, wenn ich Probleme mit den unteren Harnwegen habe?
- Was kann ich noch tun?
- Wo finde ich weitere Informationen?
- Anmerkung
Probleme mit den unteren Harnwegen
Die unteren Harnwege bestehen aus der Harnblase, dem Harnschließmuskel und der Harnröhre und befinden sich im Unterbauch.
Die Harnblase speichert den Urin, der von den Nieren gebildet wird. Wenn sie voll ist, erhält das Gehirn ein Signal, dass die Blase entleert werden muss. Dadurch entsteht das Gefühl, dass man pinkeln muss.
Der Schließmuskel der Harnblase, der sich unterhalb der Blase befindet, ist ein Muskel, der verhindert, dass Urin aus der Harnblase ausläuft. Wenn die Harnblase entleert werden muss, entspannt sich der Schließmuskel und der Urin verlässt die Harnblase über einen Schlauch, die Harnröhre.
Manchmal können Probleme mit den unteren Harnwegen auftreten. Hierzu gehören unter anderem:
- Eine Blasenentzündung, bei der es zu einer Blutung in die Harnblase kommt (hämorrhagische Zystitis).
- Eine Vernarbung und Versteifung der Blasenschleimhaut (Blasenfibrose).
- Entleerungsstörungen, bei denen sich der Harnschließmuskel beim Versuch zu pinkeln nicht entspannt. Dadurch wird die Entleerung der Harnblase erschwert.
- Ein Rückfluss von Urin aus der Harnblase zurück in die Nieren (vesikoureteraler Reflux).
- Nervenschäden, die zum Auslaufen von Urin aus der Harnblase führen können.
- Eine Verstopfung des Harnleiters (Ureter), ein Schlauch zwischen den Nieren und der Harnblase, so dass der Urin nicht mehr von den Nieren in die Harnblase fließen kann (Hydronephrose).
Das Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen kann verringert werden, zum Beispiel durch ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
Habe ich ein erhöhtes Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen?
Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, können Probleme mit den unteren Harnwegen auftreten. Manche Krebstherapien können jedoch das Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen im Laufe des Lebens erhöhen.
Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen erhöhen:
- Eine Chemotherapie mit Cyclophosphamid oder Ifosfamid. Jede Dosis dieser Chemotherapeutika kann Probleme mit den unteren Harnwegen verursachen.
- Eine Bestrahlung der Harnblase oder eines Bereichs, der die Harnblase einschließt.
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation), bei dem die Harnblase entfernt wird (Zystektomie).
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation), bei dem die Gebärmutter entfernt wird (Hysterektomie).
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation) im Bereich des kleinen Beckens.
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation) am Rückenmark.
Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere bitte dein behandelndes Krankenhaus.
Wenn du Probleme mit den unteren Harnwegen hast, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Probleme mit den unteren Harnwegen können auch andere Ursachen haben.
Was sind die Symptome und Anzeichen bei Problemen mit den unteren Harnwegen?
Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf Probleme mit den unteren Harnwegen hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.
Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du Probleme mit den unteren Harnwegen hast:
- Schwierigkeiten beim Pinkeln
- Schmerzen oder ein brennendes Gefühl beim Pinkeln
- Auslaufen von Urin aus der Harnblase
- Häufigeres Pinkeln als sonst
- Blut im Urin
Diese Symptome und Anzeichen haben oft eine andere Ursache, wie zum Beispiel eine Entzündung der Harnwege. Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen bei dir wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Ich habe ein erhöhtes Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
Falls du ein erhöhtes Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen hast, solltest du:
- mindestens alle 5 Jahre mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in deine medizinische Vorgeschichte besprechen
- und ob du Symptome oder Anzeichen von Problemen mit den unteren Harnwegen hast.
Wenn dir die Harnblase entfernt wurde (Zystektomie) oder wenn ein Teil deines Darms zur Vergrößerung der Harnblase verwendet wurde (Enterozystoplastik), ist es wichtig, dass du zu Fachpersonen überwiesen wirst:
- Nephrolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf die Nieren)
- Urolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf die Harnwege)
Wenn du Probleme mit den unteren Harnwegen hast, kann es notwendig sein, die Diagnose durch einen Urintest zu bestätigen.
Was passiert, wenn ich Probleme mit den unteren Harnwegen habe?
Falls du Probleme mit den unteren Harnwegen hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu einem/einer Urolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf die Harnwege) überweisen.
Diese Fachpersonen können mit dir verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung besprechen.
Was kann ich noch tun?
Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Problemen mit den unteren Harnwegen hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, finden sind im Kapitel „Mentale Gesundheit”.
Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf das Risiko für Probleme mit den unteren Harnwegen hat, ist es dennoch wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du Probleme mit den unteren Harnwegen bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Wo finde ich weitere Informationen?
Weitere Informationen zu Problemen mit den unteren Harnwegen kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.
Weitere Informationen auf Deutsch:
- LESS (late effects surveillance system): Hier findest du Informationen zu Blasengesundheit nach einer Krebserkrankung in der Kindheit
Weitere Informationen auf Englisch:
- Together: Hier findest du Informationen zu Blasenproblemen nach einer Krebstherapie im Kindes- oder Jugendalter
Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:
Anmerkung
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Lower urinary tract problems” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.
Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.
Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.
Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.
Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.
[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext

