Schilddrüsenprobleme
This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: September 2025
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Thyroid problems” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
- Schilddrüsenprobleme
- Habe ich ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenprobleme?
- Was sind die Symptome und Anzeichen von Schilddrüsenproblemen?
- Ich habe ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenprobleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
- Was passiert, wenn ich Schilddrüsenprobleme habe?
- Was kann ich noch tun?
- Wo finde ich weitere Informationen?
- Anmerkung
Schilddrüsenprobleme
Die Schilddrüse ist eine Drüse an der Vorderseite des Halses. Die wichtigste Funktion der Schilddrüse ist die Produktion von Hormonen. Diese Hormone werden T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) genannt. Schilddrüsenhormone steuern jede Zelle und alle Organe im Körper. Bei Kindern sind die Schilddrüsenhormone wichtig für das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns. Die Funktion der Schilddrüse wird durch ein weiteres Hormon reguliert, das vom Gehirn produziert wird und TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) heißt.
Manchmal können Probleme mit der Schilddrüse auftreten, die dazu führen, dass zu wenig Schilddrüsenhormone produziert werden. Dies wird als Hypothyreose bezeichnet. Auf der anderen Seite kann die Schilddrüse auch überaktiv werden und zu viel T3 und T4 produzieren. Dies wird als Hyperthyreose bezeichnet.
Habe ich ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenprobleme?
Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, können Schilddrüsenprobleme auftreten. Manche Krebstherapien können jedoch das Risiko für Schilddrüsenprobleme im Laufe des Lebens erhöhen. Die Probleme, die auftreten können, hängen von der Art der Krebstherapie ab.
Die folgenden Krebstherapien können das Risiko für Schilddrüsenprobleme erhöhen:
- Eine Bestrahlung der Schilddrüse oder eines Bereichs, der die Schilddrüse einschließt, kann sowohl eine Hypothyreose als auch eine Hyperthyreose verursachen.
- Eine Stammzelltransplantation mit Stammzellen von einem Spender/einer Spenderin (allogene Stammzelltransplantation) kann sowohl eine Hypothyreose als auch eine Hyperthyreose verursachen.
- Ein chirurgischer Eingriff (Operation), beim dem die Schilddrüse entfernt wird (Thyroidektomie) führt zu einer Hypothyreose.
- Eine innere Strahlentherapie mit radioaktivem Jod (Radio-Jod-Therapie mit I-131 oder MIBG), kann das Risiko einer Hypothyreose erhöhen.
Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.
Wenn du Schilddrüsenprobleme hast, dann liegt dies nicht immer an der Krebstherapie. Schilddrüsenprobleme können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel andere Medikamente, die nicht mit der Krebstherapie zusammenhängen oder Autoimmunerkrankungen. Schilddrüsenprobleme können auch ohne eine eindeutige Ursache auftreten (idiopathisch). Fast jede zehnte Person der Allgemeinbevölkerung hat wahrscheinlich Schilddrüsenprobleme, wobei das Risiko bei Frauen höher ist.
Was sind die Symptome und Anzeichen von Schilddrüsenproblemen?
Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf Schilddrüsenprobleme hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.
Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du eine Hypothyreose (nicht ausreichend Schilddrüsenhormone) hast:
- Gewichtszunahme
- Verstopfungen
- Schnelles Frieren
- Haarausfall und dünnes Haar
- Trockene Haut
- Müdigkeit
Bei Kindern und Jugendlichen:
- schlechtes Wachstum und Kleinwuchs (geringe Körpergröße)
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten in der Schule oder bei der Arbeit
- Verspätete Pubertät
Diese Symptome und Anzeichen können darauf hindeuten, dass du eine Hyperthyreose (zu viel Schilddrüsenhormone) hast:
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Palpitationen oder Herzstolpern (der Herzschlag kann unregelmäßig oder ungewöhnlich schnell sein)
- Nervosität, Reizbarkeit, Angstzustände
- Stimmungsschwankungen
- Tremor (ein leichtes Zittern der Hände)
- Durchfälle
- Sich ständig (sehr) müde fühlen
- Vermehrtes Schwitzen
- Schlafstörungen
- Haarverlust oder dünnes Haar
- Geschwollene Schilddrüse, geschwollener Knoten am Hals (Kropf)
- Augenprobleme, insbesondere bei Erwachsenen
Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Ich habe ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenprobleme. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?
Falls du ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenprobleme hast, solltest du:
- Deine medizinische Vorgeschichte und ob du Symptome und Anzeichen von Schilddrüsenproblemen hast mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in besprechen.
- Eine Blutuntersuchung, zur Messung von TSH und T4 im Blut, durchführen lassen. Wenn du versuchst, schwanger zu werden, ist es wichtig, vorher eine Blutuntersuchung durchzuführen. Es ist auch wichtig, während der Schwangerschaft regelmäßig TSH und T4 zu bestimmen.
Die empfohlenen Abstände zwischen den Untersuchungen hängen vom Alter ab:
- Kinder (0-18 Jahre): Einmal jährlich
- Erwachsene (19 Jahre und älter): Alle 2-3 Jahre
Wenn deine Blut-Ergebnisse nicht normal sind, kann es notwendig sein, die Diagnose durch eine Wiederholung des Bluttests zu bestätigen.
Was passiert, wenn ich Schilddrüsenprobleme habe?
Falls du Schilddrüsenprobleme hast, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu einer/einem Endokrinolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Hormone und den Stoffwechsel) überweisen.
Diese Fachperson kann verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen, zum Beispiel eine Hormontherapie.
Was kann ich noch tun?
Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Schilddrüsenproblemen hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit” zu finden.
Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf das Risiko für Schilddrüsenprobleme hat, ist es dennoch wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung”.
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du Schilddrüsenprobleme bekommen kannst und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.
Wo finde ich weitere Informationen?
Weitere Informationen zu Schilddrüsenproblemen kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.
Weitere Informationen auf Deutsch:
- LESS (late effects surveillance system): Hier findest du Informationen zu Schilddrüsenproblemen
- Deutsches Schilddrüsenzentrum: Hier findest du Informationen zu Schilddrüsenerkrankungen
Weitere Informationen auf Englisch:
- Mayo Clinic: Hier findest du Informationen über Hypothyreose
- American Thyroid Association: Hier findest du Informationen über Hypothyreose
- National Institute of Health (NIH): Hier findest du Informationen über Jod und die Einnahme von Jod
Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:
Anmerkung
Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Thyroid problems” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.
Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.
Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.
Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.
Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.
Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.
[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext.

