Sekundärneoplasien: Allgemeines

This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: September 2025

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Subsequent neoplasms” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.

Sekundärneoplasien

Menschen mit einer Krebserkrankung benötigen eine intensive Behandlung. Diese kann die Krebszellen schädigen und töten, aber sie kann auch gesunde Zellen schädigen. Wenn gesunde Zellen geschädigt werden, kann dies das Risiko erhöhen, in Zukunft eine völlig neue Krebserkrankung zu entwickeln.

Wenn jemand, der schon einmal an Krebs erkrankt war, einen weiteren Tumor entwickelt, spricht man von einer Sekundärneoplasie (Zweittumor). Dieser Tumor kann gutartig oder bösartig sein. Eine Sekundärneoplasie ist nicht dasselbe wie ein Wiederauftreten oder ein Rückfall (Rezidiv), bei dem die erste Krebserkrankung zurückkehrt. Eine Sekundärneoplasie ist eine völlig neue Erkrankung.

Nur sehr wenige Menschen, die bereits an Krebs erkrankt waren, erkranken noch einmal an einem anderen Krebs.

Habe ich ein erhöhtes Risiko für eine Sekundärneoplasie?

Dein Risiko, erneut an Krebs zu erkranken und an welcher Art von Krebs, hängt hauptsächlich von der Krebstherapie ab, die du erhalten hast:

  • Einige Krebstherapien erhöhen das Risiko einer Sekundärneoplasie nicht.
  • Bei einigen Krebstherapien weiß man noch nicht sicher, ob sie das Risiko für eine Sekundärneoplasie erhöhen können – um das herauszufinden, ist weitere Forschung notwendig.
  • Einige Krebstherapien können das Risiko für eine Sekundärneoplasie erhöhen.

Es kann schwierig sein, das Risiko einer Sekundärneoplasie abzuschätzen. Dein Risiko wird auch durch Faktoren beeinflusst, die nichts mit der Krebstherapie zu tun haben, zum Beispiel vom Alter und den Genen.

Die folgenden Krebstherapien können das Risiko einer Sekundärneoplasie erhöhen:

Das Risiko für Sekundärneoplasien nach Krebsbehandlungen
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Art der Sekundärneoplasie Krebstherapie, die das Risiko erhöht
Blasenkrebs
  • Eine Bestrahlung der Blase oder eines Bereichs, der die Blase einschließt.
  • Eine Chemotherapie mit Cyclophosphamid oder Ifosfamid. Sie erhöhen das Risiko vor allem, wenn du während der Krebstherapie eine schwere blutige Blasenentzündung (hämorrhagische Zystitis) hattest.
Blutkrebs:
akute myeloische Leukämie (AML) oder myelodysplastisches Syndrom (MDS)
  • Eine Gruppe von Chemotherapeutika, die Alkylanzien genannt werden, wie Cyclophosphamid und Procarbazin.
  • Eine Gruppe von Chemotherapeutika, die Anthrazykline genannt werden, wie Doxorubicin, Daunorubicin und Mitoxantron.
  • Eine Gruppe von Chemotherapeutika, die Epipodophyllotoxine genannt werden, wie Etoposid und Teniposid.
  • Eine Stammzelltransplantation mit den eigenen Stammzellen (autologe Stammzelltransplantation).
Knochenkrebs
  • Die Körperteile, die mit einer Bestrahlung behandelt wurden, haben ein erhöhtes Risiko, an Knochenkrebs zu erkranken.
Darmkrebs
  • Eine Bestrahlung des Kolons (Dickdarm) und Rektums (Mastdarm) oder eines Bereichs, der das Kolon und das Rektum einschließt.
Tumor des Zentralen Nervensystems (ZNS)
  • Eine Bestrahlung des Kopfes, des Gehirns oder der Wirbelsäule oder eines Bereichs, der den Kopf, das Gehirn oder die Wirbelsäule einschließt.
Brustkrebs (bei Frauen)
  • Eine Bestrahlung (10 Gray oder mehr) der Brust oder des Oberbauchs, wenn diese den Brustbereich einschließt.
Lungenkrebs
  • Eine Bestrahlung der Lunge oder eines Bereichs, der die Lunge einschließt.
Krebs im Mundraum
  • Eine Bestrahlung des Mundes oder eines Bereichs, der den Mund einschließt.
  • Eine Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung („Graft-versus-Host-Disease“, GvHD) im Mund nach einer Stammzelltransplantation.
Hautkrebs
  • Die Körperteile, die mit einer Bestrahlung behandelt wurden, haben ein erhöhtes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.
  • Eine Stammzelltransplantation mit Stammzellen von einem Spender/einer Spenderin (allogene Stammzelltransplantation), vor allem nach einer Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung („Graft-versus-Host-Disease“, GvHD) der Haut.
Schilddrüsenkrebs
  • Eine Bestrahlung am Hals oder eines Bereichs, der die Schilddrüse einschließt.
  • Eine innere Strahlentherapie mit radioaktivem Jod (131I-MIBG), die zur Behandlung des Neuroblastoms verwendet wird.

Es gibt auch andere Arten von Sekundärneoplasien, für die du ein erhöhtes Risiko haben kannst, wie zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs, Krebs der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkrebs), Prostatakrebs, Hodenkrebs und Brustkrebs bei Männern. Derzeit gibt es keine Leitlinien oder PLAIN-Zusammenfassungen für diese Sekundärneoplasien.

Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapien erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.

Wenn bei dir eine Sekundärneoplasie auftritt, dann liegt dies nicht immer an der ersten Krebstherapie. Sekundärneoplasien können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Rauchen, (zu viel) Alkohol, der Konsum von Drogen, (zu viel) Sonneneinstrahlung oder ein höheres Alter. Manche Menschen mit Krebs leiden an einem erblichen Krebssyndrom. Dabei handelt es sich um eine seltene Erkrankung, bei der du (und manchmal auch andere Familienmitglieder) ein erhöhtes Risiko hast, an Krebs zu erkranken, und das oft in einem ungewöhnlich jungen Alter.

Was sind die Symptome und Anzeichen von einer Sekundärneoplasie?

Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf eine Sekundärneoplasie hindeuten können. Für jede Krebsart können die Symptome und Anzeichen unterschiedlich sein. Bitte prüfe in der obigen Tabelle, für welche Sekundärneoplasie(n) du ein erhöhtes Risiko hast. Für jede dieser Sekundärneoplasien ist eine weiterführende Broschüre erhältlich, die eine Liste der Symptome und Anzeichen enthält, auf die du achten solltest (siehe: Wo finde ich weitere Informationen?). Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.

Es gibt einige allgemeine Symptome und Anzeichen, die auf eine Sekundärneoplasie hindeuten können:

  • Starke Müdigkeit
  • Ungewollte Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber und (starkes) Schwitzen

Diese Symptome und Anzeichen haben oft eine andere Ursache. Trotzdem ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung einer Sekundärneoplasie sehr wichtig.

Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Ich habe ein erhöhtes Risiko für eine Sekundärneoplasie. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?

Dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in sollte dich mindestens alle 5 Jahre nach Krebserkrankungen in der Familie fragen, unabhängig von deinem Risiko einer Sekundärneoplasie. Wenn du zwischen deinen Terminen neu aufgetretene Symptome oder Anzeichen hast, wende dich bitte an deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Falls du ein erbliches Krebssyndrom hast oder haben könntest, kann dein:e Nachsorgespezialist:in dich an eine:n Humangenetiker:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf genetische Krankheiten) überweisen.

Je nach der Art der Sekundärneoplasie, für die du ein erhöhtes Risiko hast, können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Was passiert, wenn ich eine Sekundärneoplasie habe?

Falls du eine Sekundärneoplasie hast oder haben könntest, wird dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu Fachpersonen überweisen.

Diese Fachpersonen können weitere Untersuchungen machen und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen.

Was kann ich noch tun?

Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Sekundärneoplasie hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit“ zu finden.

Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf das Risiko für eine Sekundärneoplasie hat, ist es trotzdem wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Schon kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil findest du im Kapitel „Gesundheitsförderung“.

Es ist auch wichtig, den Konsum von Nikotin, Alkohol und Drogen zu vermeiden. Außerdem sollte (zu viel) Sonneneinstrahlung vermieden werden, insbesondere zur Mittagszeit.

Die Impfempfehlungen für Survivors (ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter) entsprechen im Allgemeinen denen für die allgemeine Bevölkerung. Für Survivors (sowohl Männer als auch Frauen) ist es besonders wichtig, sich gegen das humane Papillomavirus (HPV) impfen zu lassen. Diese Impfung kann das Risiko erheblich verringern, an bestimmten Krebsarten wie Gebärmutterhalskrebs und Krebs der Geschlechtsorgane zu erkranken. Sie kann auch vor Krebs im Mundraum schützen.

Sofern dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in dir nicht rät, dich häufiger auf Sekundärneoplasien untersuchen zu lassen, ist es sehr empfehlenswert, an den nationalen Programmen zur Krebsvorsorge teilzunehmen.

Es ist wichtig, dass du weißt, dass du ein erhöhtes Risiko für eine Sekundärneoplasie hast und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wo finde ich weitere Informationen?

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zu Sekundärneoplasien kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.

Weitere Informationen auf Deutsch:

Weitere Informationen auf Englisch:

Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:

Anmerkung

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Subsequent neoplasms” [1], welche auf Grundlage verschiedener nationaler Leitlinien verfasst wurde.

Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.

Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.

Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.

Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.

Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.

[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext.